Wir sollten mehr Leseproben vor dem Bücher-Kauf ausprobieren! Darüber würde sich bestimmt unser Budget und unser SuB freuen. Deshalb haben wir von der Messe hauptsächlich Leseproben mitgenommen, um nicht in ungewollten Spontankäufen zu versinken. 27-mal toppen und floppen diese Leseproben dabei, uns das Buch schmackhaft zu machen.

Leseproben-Kurzrezensionen

  • JUNKTOWN von Mattias Oden: Das Cover macht mich schon eine ganze Weile an und eine dystopische Kapitalismus-Hauptstadt sowieso! Aber irgendwas hat mich dennoch zurückgehalten und ein Blick in die Leseprobe bestätigt meine Zweifel. Es ist mir zu real und dreckig, physisch und moralisch. Die Sprache greift das toll auf, aber dieses Gesamtpaket ist mir echt zu heftig. Absolut nicht mein Lesegeschmack, weshalb ich die Leseprobe bereits nach 3 Seiten abgebrochen habe.
  • DIE NEUNTE STADT von J. Patrick Black: Eine typische (soft-)dystopische Welt mit einer Hand voll jungen Auserwählten, die die Stadt/den Planeten retten sollen. Die Atmosphäre erinnert mich etwas an SCYTHE von Shusterman. Auch wenn der Protagonist deutlich jünger ist, fühlt er sich genauso unwohl in seiner wichtigen Rolle, die ihm keiner so genau erklären wollte. Mit einer Prise mehr Action und etwas raueren Kumpanen als die üblichen YA-Dystopien könnte das genau das Buch sein, was einem über die Wartezeit bis zum nächsten SCYTHE-Buch hilft.
  • MIRAGE von Somaiya Daud: Das tolle Cover ist ein mutiger Schritt des Verlags, sich von den klischeehaften YA-Covern mit Teenie im Ballkleid zu entfernen, was ich SEHR begrüße! Auch wenn ich an manchen Stellen über die Sprache stolpere, die teils etwas gestelzt klingt, lässt MIRAGE schon mit wenigen Seiten auf einen faszinierenden Weltenbau blicken. Migration im Weltall, YA-Dystopie unter der Herrschaft anderer Planetenbewohner und zuallererst der ganz normale Alltag dazwischen. Ich werde mir das Buch aber eher aus einer Bücherei ausleihen, als es sofort zu kaufen.
  • RENEGADES von Marissa Meyer: Ich mag das Cover, es bringt frischen Wind in den deutschen Low-Sci-Fi-Markt. Die Leseprobe lässt nur vage erahnen, was für eine New-Adult-Geschichte der Leser hier bekommt: Symphathetic Villains oder doch eine Vigilante-Gruppierung? Es bleibt spannend! Bereits die ersten Kapitel wirbeln den Leser von einem Plottwist zum nächsten und in meinem Kopf spielen sich schon die Netflix-Szenen ab… Ich MUSS es lesen!
  • DIE NACHTFLÜSTERER von Ali Sparkes: Die Leseprobe verspricht eine süße Jugendbuch-Geschichte zu werden, mit Gestaltwandlern, ungleichen Freundschaften und dergleichen mehr, perfekt für einen schnellen, angenehmen Lesetag. Aber … was soll das Cover? Warum der fotorealistische Mond plus die Baum-Silhouette plus der gezeichnete Fuchs, der socially awkward vom Rand hereindrängt? Nichts davon passt zusammen, weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.
  • NICHT WEG UND NICHT DA von Anne Freytag: Ich bin verliebt in das Cover. Schlicht, simpel, trotzdem verspielt, einfach schön! Neben RENEGADES ist das mein zweites Leseproben-Highlight. Schon auf den ersten Seiten habe ich so viel Sympathie für die beiden Protagonisten… Ok, vielleicht habe ich eine Schwäche für weibliche Figuren mit kurzen Haaren, wo das wohl herkommt? *hüstel* Ich hoffe sehr, dass das Buch mit der sensiblen Thematik angemessen umgeht und in eine schöne Geschichte verpackt…  (Content Notice für dieses Buch: Suizid, Depression, Gewalt gegen Minderjährige)
  • DER NORDEN RUFT von Mo Kast: Ein Überraschungs-Highlight! Sowohl Außen wie Innen ganz anders als der etablierte Buchmarkt, aber dafür lieben wir die mutigen Selfpublisher ja! Das Cover ließ mich zuerst an ein Kinderbuch denken, die Figuren sind jedoch bereits im Studium. Auch wenn sie ein bisschen schräg sind, die Figuren könnten so auch bei mir an der Uni rumlaufen. Überzeugt hat mich neben dem Bezug zu nordischen Sagen auch der Schreibstil der Autorin: Selten durfte ich eine so authentische Sprache in einem Buch lesen! Stilvoll ohne in bekannte Buch-Sprachmuster zu verfallen, authentisch ohne zu derb und zu platt zu sein. Ich werde mir das Buch definitiv holen.

Kira hat sich dieses Mal mit den Büchern wirklich sehr zurückgehalten, da ihr momentan wegen der Masterarbeit eh die Zeit zum Binge-Reading fehlt, dafür hat sie aber bei den Leseproben umso mehr zugeschlagen. (Notiz von Kira: Geordnet habe ich sie danach, wie viel Gefühl sie in mir ausgelöst haben – egal ob Hass oder Liebe.)

  • JUNA von Andrew Scalon: Fünf Freunde vereint eine mysteriöse Vergangenheit und eine gemeinsame Bestimmung. Nur dumm, wenn der Autor nicht schreiben kann. Das ist meiner Meinung nach definitiv der Fall bei diesem Fantasy-Roman aus dem Hause des Rabenwald Verlags. Noch nie wurde mir eine Story so wirr, unglaubwürdig und lahm präsentiert. Tatsächlich war ich mir sicher, dass es eine Autorin unter Pseudonym sein müsste, da die Männer und ihre Männer-Freundschaft, wie ich finde, herausragend ungelenk und einfach falsch geschrieben wurden. Ist aber keine.
  • FLERYA von Emily Thomsen: Von dieser Probe hatte ich ehrlich gesagt aufgrund des Covers mit am wenigsten erwartet (dabei hat ja gerade der Drachenmond Verlag sonst so schöne Cover) und wurde dann positiv überrascht. Tatsächlich kann man wohl sagen, dass es sogar die beste Leseprobe ist, da sie mich von allen am neugierigsten darauf gemacht hat, wie die Geschichte weitergeht. Es geht um Flerya, die Tochter des Drachenkönigs, die als Kind von dessen Feind Yadiran, dem Feldherren der Ghul-Armee, entführt wurde und nun von ihm als sein eigenes Kind aufgezogen wird. Da der Klappentext es verrät, weiß man als Leser, dass der Verrat des falschen, aber geliebten Vaters, der sie nur benutzen will, bald kommen wird. Dass sie überleben wird, ist wohl klar, aber wie wird Flerya damit umgehen? Oder hat Yadiran die gestohlene Tochter am Ende doch lieb gewonnen? Und welche Rolle wird der Bruder spielen? Ich möchte wirklich die Antworten wissen, darum mein Lob an diese Leseprobe und den Verlag und vielleicht lest ihr dann demnächst hier eine Rezension zu dem kompletten Buch. Es kann natürlich auch sein, dass es steil bergab geht, aber ich hoffe sehr doll, dass dem nicht so ist!
  • DAS MÄDCHEN, DAS DEN MOND TRANK von Kelly Barnhill: Klassische Misskommunikation: Während die Menschen glauben, jedes Jahr der Waldhexe ein Kind opfern zu müssen, rettet die Hexe jedes Jahr ein ausgesetztes Kind, das die scheinbar herzlosen Dorfbewohner verstoßen haben. Doch eines Tages erlangt eines der Kinder, ein kleines Mädchen, aus Versehen magische Kräfte. Xan, die Hexe, beschließt es aufzuziehen. Kelly Barnhill versucht nicht, die großen Geschichten, mit denen ihr Buch verglichen wird, nachzuahmen, sondern erzählt eine ganz eigene Geschichte, so leicht und locker und mit so viel Liebe und Witz , dass es ein Vergnügen ist. Ich würde das Buch gerne nochmal ganz lesen, denn ich will wirklich wissen, wie es mit Xan weitergeht und wie sich Luna macht.
Die Cover von Kiras Lieblingen: Flerya und Das Mädchen, das den Mond trank
Kiras Lieblinge (nicht im Bild: Mortal Engines). Anmerkung: Das Nest war zum Zeitpunkt der Aufnahme natürlich nicht bewohnt und wurde auch nicht beschädigt oder berührt.
  • VOX von Christina Dalcher: Vox erzählt die Geschichte einer Welt, in der Frauen nur 100 Worte am Tag sprechen dürfen. Mich konnte schon die Grundidee nicht überzeugen, da sie davon ausgeht, dass die Politik und der Frauenhass mächtig genug sein könnten, gegen die Macht der weiblichen Hälfte der Bevölkerung sowie der vernünftigen Männer zu bestehen. Und es gibt mehr als genug Männer, die nichts von Mario Barth halten. Zu glauben, dass Männer oder ein Großteil von ihnen Frauen nicht sprechen oder zu tief denken sehen wollen, ist absurd. Kein Mann, der seine Mutter oder Schwester liebt, der jemals die Intelligenz, den Charme und den Witz einer Frau bewundert hat, der jemals eine gesunde, auf Kommunikation basierte Beziehung zu einer Frau hatte, könnte das wollen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Männer im Buch bzw. in der Leseprobe mit der Situation abfinden, finde ich für die Gesamtheit der Männer geradezu beleidigend. Der Frauenhass, auf dem die ganze Idee beruht, existiert natürlich – davon habe ich selbst schon genug mitbekommen – , aber nicht in einem solchen Ausmaß, dass das irgendwie realistisch wäre (auch wenn bestimmte Parteien in Deutschland ähnlich Frauenfeindliches fordern). Mich regt das Buch also relativ stark auf, aber aus den aus Autorinnensicht sicherlich falschen Gründen. Außerdem finde ich es auch von der Art, in der die Autorin versucht, ihre Message rüberzubringen, her etwas platt. Bei solch einem Buch macht sich aber am besten jeder seine eigene Meinung.
  • STONEHEAVEN von Tanja Heitmann: Mariella ist Teil einer mächtigen Familie mit besonderen Fähigkeiten. Da sie aber ein verzogenes, reiches Gör ist, muss sie ins verzogene-reiche-Gören-Heim, das nur Leuten aus ihrem komischen Clan offen steht. Es ist tatsächlich gar nicht mal so schlecht geschrieben, aber wenn man die Hauptfigur nach einer so kurzen Leseprobe schon hasst, ist das kein gutes Zeichen …
  • MORTAL ENGINES von Philip Reeve: Richtig, richtig gut! Den Film, der ja nach dem Buch kam, kenne ich nicht, aber ich fand, der Trailer sah schon mal spannend aus. Und nun fand ich auch noch den „Lesetrailer“ spannend. Klarer Fall also für die Leseliste. Mortal Engines spielt in einer dystopischen Welt in einer weit entfernten Zukunft, in der Städte als große Maschinen durch die postapokalyptischen Lande fahren und sich bekriegen. Tom lebt einigermaßen behütet in London – bis ein durch Narben entstelltes Mädchen auftaucht und sein Weltbild auf den Kopf stellt.
  • THE WRONG GIRL von Megan Goldin: Ebenfalls etwas besser als erwartet, aber halt trotzdem noch ein Gone Girl-Abklatsch. Ist das schlimm? Eigentlich nicht, denn das Motiv der reichen, betrogenen Ehefrau lässt sich ja unterschiedlich durchspielen. Außerdem ist Julie im Gegensatz zur schillernden Amy eher eine graue Maus. Ich würde es gerne lesen und herausfinden, wie es weitergeht.
  • CHILDREN OF BLOOD AND BONE von Tomi Adeyemi:  Dieses Buch ist definitiv gut geschrieben und auch die Hauptfigur war mir direkt sympathisch. Wirklich Lust aufs Weiterlesen hat mir die Probe aber letztlich doch nicht gemacht, weil weder der Anfang noch der Klappentext wirklich darauf hindeuten, auf welche Art von Story es hinauslaufen wird und ich keine Ahnung habe, worauf ich mich einlassen würde.
  • WEISSER TOD von Robert Galbraith: Die Leseprobe zur von J. K. Rowling unter Pseudonym geschriebenen Krimi-Reihe fing mäßig an, gefiel mir dann aber mit jedem Satz ein bisschen besser, die anfangs steif scheinenden Figuren wurden schnell lebendig, bis ich mir am Ende wünschte, ich würde die Vorgeschichte kennen. Vielleicht lese ich die Reihe wirklich nochmal.
  • OBSCURIDAD von Eric Nowack: Ebenfalls eine positive Überraschung. Da das Cover etwas laienhaftes hat, habe ich wirklich Dreck erwartet, um es mal so zu sagen. Aber der Autor kann tatsächlich schreiben. Leider schreibt er seinen männlichen Hauptcharakter als überheblichen Macho-Idioten, wovon man ja echt schon genug hatte – aber schreiben kann er trotzdem, was man z.B. daran merkt, dass er es fertig bringt, eher komplizierte Abläufe in wenigen präzisen Worten zu beschreiben. Und insgesamt ist die Schreibe sehr cineastisch, so dass man wirklich einen Film vor Augen hat. Fazit: nichts für mich, aber nicht schlecht. Sci-Fi-Fans, denen solche männlichen Rollenbilder zusagen, sollten sich evtl. mal dran versuchen.

Kiras Leseproben Ausbeute
  • RUBINSPLITTER von Julia Dessalles: Es geht um Rosa/Ruby, deren Superkraft anscheinend ihre Unscheinbarkeit und fehlende Aura ist. Das ist wenigstens mal was Neues, aber neu muss nicht gut heißen und das tut es hier meiner Meinung nach auch nicht. Die Erzählweise finde ich etwas wirr, die Figuren seltsam und den Schreibstil nicht besonders gut. Dafür ist wenigstens das Cover hübsch.
  • DAS MAGISCHE LAND von Chris Colfer: Ein ehemaliger Serien-Star hat ein Fantasy-Kinderbuch geschrieben – das kennen wir doch schon von Neil Patrick Harris. In dieser Geschichte geht es um die Geschwister Alex und Conner, die durch ein Buch in ein magisches Land gelangen, in dem Märchen wahr sind. Das ganze ist relativ platt und eben kindgerecht erzählt. Leseproben-Fazit: wirklich nur was für Kinder.
  • THE BELLES von Dhonielle Clayton: Für dieses Buch wurde ja in letzter Zeit auf der Messe und auch auf Instagram ganz schön die Werbetrommel gerührt. Ist der Roman es wert? Rein von der Leseprobe her wäre meine Antwort: eher nicht. Ich finde schon die Welt an sich, eine Welt, in der Schönheit das höchste Maß ist, nicht sehr glaubwürdig und kann deswegen die Gebräuche und Probleme irgendwie nicht so ernst nehmen. Die Hauptfigur geht auch, zumindest am Anfang, völlig konform mit dieser sinnfreien und völlig oberflächlichen Ideologie. Ich denke, einige jüngere Mädchen werden da ihren Spaß mit haben, aber für mich ist das echt nichts.
  • COUCHSRUFING IN CHINA von Stephan Orth: Die Leseprobe zu diesem, ich nenne es mal Selbstexperiment-Buch ist so ziemlich das, was man erwartet. Ein Typ spricht über seine Erlebnisse und es ist teils witzig, teils lehrreich. Wenn man sich also dafür interessiert, wie „die Chinesen“ (die jedenfalls, die der Autor kennengelernt hat) so ticken, kann ich das Buch aufgrund der Leseprobe empfehlen. Ach ja: Hund schmeckt laut Autor übrigens wie eine deftige Mischung aus Rind und Schwein.
  • DAS KLEINE CAFÉ IN KOPENHAGEN von Julie Caplin: Eine moderne Romanze, in der eine ehrgeizige PR-Frau auf einen abweisenden Reporter trifft. In Dänemark und mit hygge. Natürlich eher seichte Literatur, aber wer sowas mag, dem wird wohl auch dieses Buch gefallen.
  • BLIND von Christine Brand: Blind fing ganz okay an, aber hat mich jetzt nicht besonders gefesselt. Das beste waren für mich eigentlich die Informationen übers Blindsein. Z.B. gibt es eine App namens Be my Eyes, wo Sehende Blinden direkt helfen können. Coole Sache!
  • HATTIE BROWN UND DIE WOLKENDIEBE von Claire Harcup: In dem Buch geht es um die 11-jährige Hattie, die durch einen Kühlschrank in eine andere Welt gezogen wird. Bei Hattie war es eigentlich etwas zu wenig, um sich eine wirkliche Meinung zu bilden. Ich hatte aber das Gefühl, dass es doch eher nur für Kinder ist. Dass das Thema Depression aufgegriffen wird (Hatties Mutter leidet darunter), fand ich war kein schlechter Ansatz, aber es bliebe natürlich abzuwarten, wie das Thema weiter behandelt wird.
  • GIER von Marc Elsberg: Scheint ebenso gut und politisch zu sein wie andere Elsberg-Romane. Dass aber mehr oder weniger eine Formel für den Weltfrieden gefunden sein soll, finde ich ein klein wenig unglaubwürdig. Vielleicht „Weltenstaat + Kommunismus – Religion = alle glücklich“?
  • MILCHZÄHNE von Helene Bukowski: Milchzähne ist ein eher literarischer Roman, der das Thema Fremdenhass in ein zeitlich und räumlich losgelöst scheinendes Setting verfrachtet. Natürlich ist das ein wichtiges und schwieriges Thema, aber muss deshalb auch das Leseerlebnis schwierig gestaltet werden? Ich persönlich fand jedenfalls den Schreibstil mit sehr vielen, etwa gleichkurzen Sätzen ziemlich anstrengend zu lesen.
  • DIE WÄCHTER VON AVALON von Amanda Koch: Diese Leseprobe war sowas von uninteressant, dass ich mir wirklich Mühe geben musste, um den Inhalt aufzunehmen. Es wurden zwei Mädchen vorgestellt, eins tiefmelancholisch, das andere etwas cooler und irgendwie geht’s um Avalon. Den Schreibstil fand ich mäßig, weil er auch irgendwie platt war. Show, don’t tell! Als Leseprobe, die den Rest der Bücher verkaufen soll, völlig ungeeignet. Next!